Eindrücke der Babybedenkzeit 2019

Nachts freiwillig aufzustehen und die Bedürfnisse des Babys zu befriedigen, das hatten sich 16 Schülerinnen der 2 BFP 1.1 und 2 BFP 1.2 und eine Schülerin der Kooperationsklasse BVE im Vorfeld fest vorgenommen.

Während der Babybedenkzeit, die vom 25. März bis 5. April 2019 stattfand, hatten die Schülerinnen jeweils eine Woche von Montagnachmittag bis Freitagvormittag ein eigenes Baby Zuhause.

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Schülerinnen der 2BFP1.1

BFP1.2

Schülerinnen der 2BFP1.2 und des BVE

Diese Babysimulatoren hatten ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Tagesabläufe. Mal war das Baby einen Tag ganz pflegeleicht zu händeln, so konnte es am folgenden Tag schon wieder fürchterlich anstrengend sein und nachts oft schreien. Beispielsweise mussten die „Mütter auf Zeit“, Windeln wechseln und dem Baby das Fläschchen geben. Es musste beruhigt werden, wenn es quengelig war, oder die Mütter mussten nach dem Fläschchen geben aufs Bäuerchen warten...

Nachts konnte man aufwachen, weil man das atmendes Baby wahrnahm oder erfreut dem Glucksen des Babys lauschen.

Da der Versorgungschip nicht übertragbar ist, mussten sich die Schülerinnen wirklich selbst um die Simulationsbabys kümmern und konnten diese Aufgaben nicht an Eltern oder Geschwister delegieren.

Möglich machte dieses Experiment die Caritas Lahr. Von dort stammen die Simulatoren, wie an der Maria-Furtwängler Schule bereits seit fünf Jahren jährlich wochenweise im Einsatz sind. Die Teilnahme bei diesem Projekt ist absolut freiwillig, es gibt hierfür keine Leistungs- oder Bonusnoten, alles was zählt sind die eigenen, intensiven Erfahrungen, die man in dieser Zeit mit dem Baby macht.

So möchte ich nun die jungen Mütter zu Wort kommen lassen, die über ihre Erfahrungen berichtet haben.

Angelika Schaub-Roll, Lehrerin in beiden Pflegeklassen

 

Schülerinnen der 2 BFP 1.1

Leonie, 15 Jahre:

Ich kann dieses Projekt jedem weiterempfehlen, der wissen will, wie man Kind und Schule unter einen Hut bringt. Die vielen positiven Erlebnisse waren die eine Seite, der fehlende Schlaf die andere. Am Ende der Woche war ich richtig müde.

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Leonie Edte und Angie Späth mit ihren Babys

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Maren Nowoczin und Anita Fischer mit ihren Lieblingen

Anita, 16 Jahre:

Nach einer durchwachten Nacht ging´s morgens ab in die Schule. Ich war so müde! Tags drauf ging alles wieder von vorne los. An folgenden Tag war ich noch erschöpfter. Die Lehrer/innen waren mitfühlend und verschoben die Klassenarbeiten auf die folgende Woche. Am Freitagmorgen war ich froh und erleichtert, dass ich das Baby abgeben konnte, da ich die Nacht zuvor noch Migräne bekommen hatte. Das Projekt hat mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht, aber es hat mich auch viele Nerven gekostet. Ich würde es auf jeden Fall wieder tun und empfehle es testweise allen, die ein Kind wollen. Es ist eine gute Möglichkeit, in den Alltag mit Kind mal reinzuschauen.

Maren, 18 Jahre:

Am Donnerstag habe ich mit meinem Freund was unternommen. Er wollte erst von dem Baby nichts wissen, bis ich es ihm in den Arm gelegt hatte und er ihm das Fläschchen gab. Er fand es eigentlich ganz ok, wollte es aber nicht zugeben.

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Julia Siegenführ und Vivienne Kupka und ihre Lieblinge

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Lou Darnstedt und Yesim Kovanci mit ihren Babys

Julia, 17 Jahre:

Ich fand die Babybedenkzeit eine tolle Sache. Man durfte die Erfahrung machen, wie es wäre, wenn man als Jugendliche schon ein Kind bekäme. Mein Kind hieß Petro und war sehr aktiv. Vor allem in der Nacht hatte mir Petro den Schlaf geraubt. Er wollte sein Fläschchen, gewiegt und auf den Arm genommen werden. Am nächsten Tag war ich sehr müde und das wurde von Tag zu Tag schlimmer. Die letzte Nacht war für mich die schlimmste. Ich war total übermüdet und hatte keine Kraft mehr weiterzumachen. Doch ich habe mich zusammengerissen und war für Petro da. Dann hieß es Abschied nehmen... Wie ich schon eingangs beschrieben habe, war die Woche eine schöne Erfahrung. Ich werde die Erfahrungen, die ich gewonnen habe, mitnehmen. Und später, wenn ich ein eigenes Baby habe, werde ich an die Zeit zurückdenken.

 

 

Schülerinnen der 2BFP1.2:

Lea, 16 Jahre:

Ich war total aufgeregt und habe die Stunden und Minuten gezählt, bis ich mein Baby bekommen habe. Als es die ersten Geräusche von sich gab, hatte ich mich voll gefreut. Aber ich bekam auch Panik, weil ich nicht wusste, was das Kind in dem Moment von mir will. Bereits am Montagnachmittag machte ich die erste verwirrende Erfahrung. Beim Einkaufen fing mein Baby Peter an zu schreien und mir war es voll peinlich, wie ich von den anderen Menschen angestarrt wurde. Peter war am Dienstagnachmittag ruhig, dafür war er nachtaktiv und ich bekam gerade mal zwei Stunden Schlaf. Am Mittwoch war ich mega genervt, ich hatte das Gefühl die Schreie würden immer lauter werden. Als ich ihn daraufhin angeschrien habe, weil ich nicht mehr konnte, hatte ich das Gefühl, dass er noch aggressiver wurde. Bei meinen Klassenkameradinnen holte ich mir in der WhatsApp-Gruppe seelische Unterstützung. Früh um 04:00 Uhr habe ich ihm sogar was vorgesungen, weil ich so verzweifelt und müde war. In der Schule war es echt anstrengend, da man vom mittags, nach der Schule bis morgens um 06:00 Uhr ununterbrochen mit dem Kind beschäftigt war. Lernen funktionierte nicht und Hausaufgabenmachen auch nicht.

Trotzdem ist das Projekt eine echt gute Erfahrung. Es war eine anstrengende Zeit, aber ich würde das Projekt nochmal machen. Ich habe irgendwie ein Gefühl zu dem Baby entwickelt.

Melissa, 16 Jahre:

Am Anfang dachte ich noch, dass es ganz leicht sei, sich um das Baby zu kümmern, aber ich hatte mich getäuscht. Die ersten beiden Nächte konnte ich nicht schlafen, da ich das Schreien des Babys nicht verpassen wollte. Das führte dazu, dass ich am dritten Tag so müde war, dass ich tagsüber nur noch schlafen wollte. Das Kind hat mich an meine Grenzen gebracht. Das Projekt war echt gut und lehrreich und ich habe großen Respekt für Eltern entwickelt, die ihr Kind alleine großziehen. Ich fand das Projekt super.


Kim, 16 Jahre:

Lustig war, dass viele Leute dachten, dass dies ein echtes Baby sei. Schlussfolgernd war es tagsüber ganz süß, außer wenn es in der Öffentlichkeit angefangen hatte zu schreien und man es dann dort z. B. füttern musste. Nachts war es wirklich nervig und stressig, mehrmals aufzustehen, weil es angefangen hatte zu weinen.


Nika, 15 Jahre:

Als wir die Babys bekamen, habe ich mich sehr darüber gefreut. Die Vorfreude verschwand jedoch bereits nach der ersten Nacht. Es war sehr gewöhnungsbedürftig, ein Baby zuhause zu haben, für das man plötzlich die ganze Verantwortung trägt. Die Nächte waren kurz und man wurde oft aus dem Tiefschlaf gerissen. Tagsüber beim Spazierengehen konnte man die verschiedensten Reaktionen beobachten... z.B. verurteilende Blicke. Allerdings reagierten die meisten Personen positiv, als ich sie darauf ansprach und ihnen erklärte, dass dies ein Schulprojekt sei. Es war insgesamt eine tolle Erfahrung, die jeder einmal machen sollte.

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Marie Schlenker mit ihrem Baby

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Kim Schäfer mit Baby

 BVE

Cagla Saki mit Baby Lena

Schülerin der Kooperationsklasse BVE

Cagla, 20 Jahre:

Es hat großen Spaß gemacht, meinem Baby Lena das Fläschchen zu geben und es zu pflegen. Die Nächte waren allerdings sehr stressig.
Eine ältere Frau fragte mich, ob dies mein eigenes Baby sei und war überrascht, dass die Babybedenkzeit als Projekt an unserer Schule angeboten wird.
Ich würde an der Babybedenkzeit wieder teilnehmen, weil man dabei viel lernen kann.